Vergissmeinnicht

Freimaurer Loge

"Zur Morgenlandfahrt"

No. 35 im "Orient" Brüssel, Belgien



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Unsere Loge ist sehr daran interessiert, neue Brüder zu gewinnen. Den Traditionen der Freimaurerei gemäß muss sich ein Interessent an uns wenden und wenn wir erkennen, er strebt ernsthaft eine Mitgliedschaft an, dann behandeln wir ihn als "Suchenden", als Kandidaten.
Einer unserer Brüder muss sich als Bürge für den Suchenden bereitzustehen erklären, sodann wird ein dreiköpfiger Prüfungsausschuss gebildet, dessen Mitglieder drei Einzelgespräche mit dem Suchenden führen. Sie berichten ihre Eindrücke davon allen anderen Brüdern, die sodann beschließen, den Suchenden anzunehmen oder zurückzuweisen. Im positiven Falle wird die rituelle Aufnahme einer abermaligen, dieses mal geheimen Abstimmung aller Brüder der Loge unterworfen. Geht sie gut aus, wird der Aufnahmeabend bestimmt und der Suchende zum Lehrling unserer Loge gemacht. Im Laufe der Jahre geht er dann den Weg über den Gesellenstatus zum Meistergrad. Nachdem wir eine "initiatorische Gemeinschaft" sind, wird dem Bruder vor der jeweiligen Initiation in den nächsten Status nichts Näheres über diesen bekannt. Nur die jeweilige Initiationszeremonie deutet an, worum es im nächsten Grad geht…
Wir Freimaurer gehen davon aus, dass der Suchende mit seinem Gesuch um Mitgliedschaft eine Lebensentscheidung trifft und daher immer Freimaurer bleibt. Ein Austritt oder eine Beurlaubung sowie ein überwechseln zu anderen Logen sind jedoch möglich. Wir wünschen uns, dass die dauernde Lebenspartnerin eines Freimaurers nicht nur über die Mitgliedschaft Bescheid weiss, sondern der Freimaurerei auch positiv gegenübersteht und die absolute Verschwiegenheit über die Mitgliedschaft ihres Partners und seiner Brüder wahrt.
Damit sind zwei wichtige Stichworte gefallen, die Suchende sicherlich beschäftigen: Erstens die Rolle der Frauen, zweitens die der Verschwiegenheit.
Frauen können in der regulären Freimaurerei nicht Mitglieder werden. Das ist keineswegs eine ideologisch diffamierende Position, sondern schlicht und einfach Ergebnis unserer Tradition: Steinmetze und Maurer, der Ursprungshandwerke also unserer heutigen Freimaurerei, hatten historisch nie Frauen in ihre Berufsaktivitäten einbezogen – und es gibt ja selbst heute praktisch keine "Maurerinnen" und "Steinmetzinnen" auf einer Baustelle…
Die Verschwiegenheit spielt in der Freimaurerei folgende Rolle: Wer Freimaurer ist, darf ohne Zustimmung des anderen Bruders niemals Nichtfreimaurern von dessen Mitgliedschaft bei uns erzählen. Jedem Bruder steht es jedoch frei, ob und wem er über seine eigene Mitgliedschaft erzählt.
Weiters darf ein Freimaurer nichts, aber auch gar nichts über das, was in der Loge passiert oder gesprochen wird, einem Nichtfreimaurer berichten. Der Ursprung der eben skizzierten Verschwiegenheit ist vielschichtig. Um es aber einfach zu sagen: Einerseits soll damit garantiert werden, dass jeder Bruder in der Loge frei sagen kann, was er denkt, ohne negative Konsequenzen von Nichtfreimaurern befürchten zu müssen. Anderseits soll dadurch die Bruderschaft weltweit am Bau des Tempels der Humanität arbeiten können, ohne dass Nichtfreimaurer diese Arbeiten beinträchtigen. Schließlich sind manche alten Traditionen, Rituale und Symbole ohne eingehendere Beschäftigung, und ohne Initiation, nicht verständlich und könnten deshalb, wären sie allgemein bekannt, leicht missverstanden oder gar lächerlich gemacht werden.
Die Freimaurerei ist ein Bund der Verschwiegenheit, aber keinesfalls ein "Geheimbund". Die Freimaurerei ist in allen demokratischen Staaten vereinsrechtlich organisiert, befolgt alle Gesetze des Staates, richtet keine Aktivitäten gegen Recht und Ordnung, keine gegen Gesetz und Staat – und ist daher von allen demokratischen Staaten anerkannt.
Worin liegt nun der Nutzen, den man als Freimaurer von seiner Mitgliedschaft hat? Er liegt sicherlich nicht im materiellen Bereich, denn jedwede Art von Geschäftemacherei zwischen Brüdern ist ausdrücklich untersagt und führt zum Ausschluss. Es gibt nur immateriellen Nutzen, und der ist der folgende, sehr vereinfacht dargestellt:

  • Der Bruder erfährt die positive Wirkung der Arbeit an sich selbst – Selbsterkenntnis und Selbstveredlung, ganz altmodisch ausgedrückt.
  • Der Bruder erfährt brüderliche Liebe, das heißt Freundschaft, Unterstützung, Hilfe und Solidarität aller Brüder auf der Welt.
  • Der Bruder erlebt die weltumspannende Kette der Freimaurerei: Wo immer er an das Tor einer Loge pocht, dort wird ihm aufgetan und er wird dieselben Werte erkennen wie in seiner Heimatloge. Die "fremden" Brüder bringen ihm die selben Denk- und Verhaltensweisen entgegen wie die Brüder daheim.
  • Der Bruder tut etwas Gutes und Richtiges, etwas Sinnstiftendes, etwas für alle, wenn er am Bau des Tempels der Humanität mitwirkt, also modern ausgedrückt: Unser privates und gesellschaftliches Leben humaner gestaltet.

Vieles gäbe es noch zu erzählen, aber dass nicht alles im Vorhinein gesagt wird, macht auch den Reiz der Freimaurerei aus - es ist eine Entdeckungsreise zu sich und zum Anderen.
Ein letztes Wort, wenn wir schon von "Nutzen" sprechen; wie stehts mit den Kosten? Es gibt keine anderen als eine für jedermann erschwingliche jährliche Mitgliedsgebühr. Daneben wird um freiwillige Spenden für soziale Werke gebeten. Jedenfalls ist die Freimaurerei keine der allzubekannten Sekten, die ihren Mitgliedern riesige Summen oder gar ganze Erbschaften abverlangen.

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